Über uns

HERE WE ARE – TAKE A STAND!

Hier findet ihr Infos über uns und unsere Positionen zu Antifaschismus, Antikapitalismus, Frauenbefreiung und Internationalismus:

ARAG – Raus ins Leben!

Wir sind ein Zusammenschluss linker AktivistInnen, die Bock auf gemeinsame Politik mit revolutionärer Perspektive haben. Wir sind keine weitere Gruppe, die moralisierend den Zeigefinger hochhält, wenn jemand den linken Knigge nicht auswendig kann – für uns steht das große Ganze im Mittelpunkt: das kapitalistische Ausbeutungssystem anzugreifen. Die ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse sind menschengemacht und daher veränderbar. Wir glauben, dass eine klassenlose Gesellschaft, fernab von Ausbeutung und Unterdrückung, möglich ist. Gemeinsam bilden wir die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen, kurz ARAG. Im Folgenden stellen wir unsere Positionen vor. Dabei behaupten wir nicht, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, „[we] just ask questions“ (Eric Cartman).

Antifaschismus

Faschismus ist die radikalste und repressivste Form bürgerlicher Herrschaft. Es muss uns als revolutionäre AntifaschistInnen bewusst sein, dass Faschismus und bürgerliche Demokratie im Kapitalismus miteinander in Verbindung stehen und ineinander übergehen können, wenn sich gesellschaftliche und ökonomische Verhältnisse zuspitzen. Im Faschismus wird die Erhaltung von Macht- und Besitzinteressen in besonders offener brutaler und tödlicher Form durchgeführt. Es lassen sich schon in einer bürgerlichen Demokratie Mechanismen erkennen, die zum Zweck haben, die Gesellschaft zu spalten, einen effektiven Kampf gegen das kapitalistische System zu verhindern, um diese Interessen abzusichern.

Die neoliberale kapitalistische Welt, in der wir leben, führt zu sozialer und ökonomischer Ungleichheit. Die Folgen sind nicht nur global, sondern auch hier ganz konkret zu spüren und führen zu sozialen Spannungen in der Gesellschaft: Arbeits- und Perspektivlosigkeit, steigende Armut, Sparmaßnahmen, welche die Schwächsten am härtesten treffen, Ausbeutung und Kriege und die damit verbundenen Folgen, wie Vertreibung und Flucht. Linke Bewegungen, die für gesellschaftliche Alternativen kämpfen, werden ruhiggestellt, damit die kapitalistische Vormachtstellung auch unter diesen Bedingungen weiter bestehen bleibt. Dabei bedient sich der Staat und die Wirtschaft repressiver Instrumente: die Einschränkung von bürgerlichen Rechten und Freiheiten, die Privatisierung von nahezu allen Lebensbereichen, Sozialkürzungen und Maßnahmen, die für lohnabhängige Beschäftigte drastische Auswirkungen auf ihre Existenz haben, wie Kurz- und Zeitarbeitsverträge. Durch Behinderung journalistischer Arbeit, Beschlagnahmung von Pressematerial und Hausdurchsuchungen bei JournalistInnen wird die Pressefreiheit eingeschränkt. Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit wird durch die Kriminalisierung von DemonstrationsteilnehmerInnen beschnitten.

Dass staatliche und wirtschaftliche Interessen die eigentliche Ursache für die Verstärkung von sozialer Ungleichheit und Unterdrückung sind, wird verschleiert, indem „Sündenböcke“ und Feindbilder produziert werden. Ansteigender Nationalismus, Rassismus, weitere  Diskriminierungen und Ausgrenzungen innerhalb der Gesellschaft sind die Folgen. Daher erhalten rechte und faschistische Bewegungen einerseits durch die prekäre soziale Lage, andererseits von staatlicher Seite den nötigen Aufwind, um gesellschaftlich angenommen zu werden. Die Antwort des Staates ist es, deren Argumente und Forderungen zu übernehmen und Gesetze in deren Sinne zu verschärfen. So kam es beispielsweise 1992/93 und auch 2016 zu massiven Einschränkung des Grundrechts auf Asyl.

„Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“ Max Horkheimer (Sozialphilosoph, Frankfurter Schule)

Im Kampf gegen faschistische Organisationen und Gruppierungen sind bürgerliche Kräfte und Parteien daher keine Alternative und selten Verbündete. Sie inszenieren sich gerne als AntifaschistInnen, dabei reicht es ihnen schon aus, nur „gegen Nazis“ zu sein. Doch durch das Aufrechterhalten des kapitalistischen Systems sind bürgerliche Bewegungen und Parteien HelfershelferInnen von FaschistInnen und Rechten. Dabei ist es Mittel zum Zweck, AntifaschistInnen mit extremen Rechten gleichzusetzen und sie somit zu diffamieren. Das hat zum Ziel, einen militanten Antifaschismus, der über „einen Aufstand der Anständigen“ hinausgeht, und linke gesellschaftliche Alternativen zu kriminalisieren und zu verhindern. Diese staatlich und gesellschaftlich vertretene Extremismustheorie führt zu einer Verharmlosung faschistischer Gruppen und deren menschenverachtenden Ideologien.

Wir lehnen die bürgerliche Umdeutung von „Antifaschismus“ konsequent ab, in dessen Namen auch imperialistischen Kriegseinsätzen und einer Abschottung Europas zugestimmt werden, was tausende von Toten zur Folge hat

»Ob Links oder Rechtsextremismus, ich sehe da keinen Unterschied.« »Doch, doch«, ruft das Känguru laut dazwischen. »Es gibt einen Unterschied. Die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos anzünden istschlimmer. Denn es hätte mein Auto sein können. Ausländer besitze ich keine.« Marc-Uwe Kling (Kabarettist, »Die Känguru Offenbarung«)

Nazis morden, der Staat laedt nach

Struktureller Rassismus in Institutionen und Behörden ist an der Tagesordnung und hat tödliche Folgen. Die Praxis rassistisch motivierter Angriffe nicht als solche zu benennen und damit zu verharmlosen, zeigt, wie blind der Staat auf dem rechten Auge ist, trotz ansteigender rassistischer und faschistischer Gewalt in Deutschland. Betroffene und deren Angehörige erfahren zusätzlich Diskriminierung und Erniedrigung von Seiten der Polizei und Justiz.

 Der Verfassungsschutz unterstützt rechten Terror durch den Einsatz von bezahlten V-Leuten aus der rechten Szene, die mit den Geldern ihre Organisationen und menschenfeindlichen Aktivitäten finanzieren. Darüber hinaus verhindern Verfassungsschutzbehörden Ermittlungen und die Herausgabe von wichtigen Akten, um Straftaten aufzuklären. Dass der NSU sich unter Aufsicht deutscher Sicherheitsbehörden zu einer Terrororganisation mit breitem Unterstützernetzwerk formierte und über Jahre MigrantInnen angreifen und ermorden konnte, macht diese Mechanismen auf erschreckende Weise deutlich.

Antifaschismus steht grundsätzlich für Klassenpolitik, Antiimperialismus und Selbstschutz und dient nicht dem Erhalt eines bürgerlichen Staates und seiner Interessen. In den letzten Jahren haben sich große Teile der radikalen Linken in Deutschland von diesen Grundsätzen entfremdet oder bewusst abgegrenzt. Diese Entwicklung zum Bürgerlichen ist für uns keine Option.

Angesichts der täglichen Übergriffe auf Geflüchtete, MigrantInnen und Linke ist der Aufbau eines antifaschistischen Selbstschutzes notwendig. Staat und Polizei bieten keinen Schutz gegen rechte Gewalt, sondern sind Teil des Problems. Selbstschutz bedeutet zwangsläufig, sich körperlich und/oder mental auf gewalttätige Übergriffe von Bullen oder FaschistInnen vorzubereiten, um diesen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Gemeinsamer Kampfsport, Selbstverteidigungskurse, Aktionstrainings, Antirepressions- und Recherchearbeit sind dafür gute Möglichkeiten. Eine Vernetzung vor allem auch mit antifaschistischen und antirassistischen Strukturen in Kleinstädten und ländlichen Gebieten muss aufgebaut werden.

Die Notwendigkeit einer antiimperialistischen Position ist aus dem Selbstverständnis vieler AntifaschistInnen gestrichen worden. Der eigene Mikrokosmos wird zum (Lebens) Mittelpunkt und diese selbst erschaffene Wohlfühlzone wird weder mental noch räumlich verlassen. Im Gegensatz dazu identifizieren wir uns mit der internationalen radikalen Linken, die klar antiimperialistisch denkt und handelt. Solidarität, gemeinsame Ziele und Kämpfe sollten nicht aus dem politischen Bewusstsein gedrängt werden. Gleichzeitig dürfen dringende aktuelle Fragen und Probleme nicht anderen Akteuren überlassen werden, die keine antifaschistischen Analysen und Antworten auf imperialistische Bestrebungen liefern. Das aggressive globale Vorgehen Deutschlands und anderer Staaten zur Sicherung und zum Ausbau von politischer und ökonomischer Macht verdeutlicht, warum Antiimperialismus Kern unserer Theorie und Praxis sein muss.

Ein ähnliches Bild des Rückzugs zeigt sich bei der Zusammenarbeit mit Menschen aus benachteiligten Gesellschaftsschichten. Antifaschismus muss sich über elitäre und akademisch geprägte Zusammenhänge hinausbewegen. Die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen, MigrantInnen, Arbeitslosen und Geflüchteten dürfen keine untergeordnete Rolle spielen. Die Perspektive gemeinsamer Kämpfe und die Bildung eines ausgeprägten Klassenbewusstseins stehen für uns im Mittelpunkt antifaschistischer Arbeit. Wir sehen gerade dort und mit diesen Menschen die Wichtigkeit antifaschistischer Diskussionen, Solidarität- und Bündnisarbeit auf Basis radikaler linker Zielsetzung.

„Ich will dort kämpfen, wo das Leben ist“ Clara Zetkin (Kommunistin, Frauenrechtlerin)

Wir wollen unsere Positionen über die „Szene“ und spaltende Theoriedebatten hinaus offensiv vertreten und einbringen. Revolutionärer Antifaschismus beinhaltet, gesellschaftliche und politische Verhältnisse kritisch zu analysieren, Antworten zu finden und gemeinsam zu realisieren. Es ist daher nötig, die Herausforderung anzunehmen und antifaschistische Perspektiven in praktischen und konkreten Bezug zu alltäglichen Kämpfen zu setzen, um die herrschenden Verhältnisse zu stürzen.

Antikapitalismus

Der Kapitalismus und seine Begleiterscheinungen wirken sich jeden Tag ganz konkret auf unser Leben aus. Auf dem Rücken der Mehrheit der Bevölkerung verfolgt die herrschende Klasse ihre Ziele ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist ein Machtkampf aus dem das reichste Prozent der Weltbevölkerung als Sieger hervorgeht. Dieses eine Prozent besitzt mehr als alle Menschen dieser Welt zusammen. Es geht um Rohstoffe, Absatzmärkte, Pipeline-Routen und Profite. Die Konsequenzen sind Arbeitslosigkeit, sterbende Industrieregionen, verkommene Wohnghettos, Armut und Jobs, von denen viele nicht leben können.

Durch neoliberale Politik, die „Agenda 2010“, „Freihandelsabkommen“ sowie  Privatisierungen kommunaler und gemeinnütziger Einrichtungen wie Nahverkehr, Krankenhäuser, Wasserwirtschaft, Schulen, Universitäten usw. wird die Lage weiter verschlechtert. Dieses System macht uns krank – jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns. Wie ein Geschwür breitet sich diese Krankheit aus und betrifft nicht nur unser alltägliches Leben, sondern zeigt weltweit Auswirkungen.  Unter dem Deckmantel der Globalisierung wird Profitmaximierung durch Ausbeutung und Kriegseinsätze betrieben. Rassistische Angriffe des Staates auf Menschen, wie eine verantwortungslose Abschottungspolitik, die für geflüchtete Menschen Bedrohung durch Krieg und Armut bedeutet, bilden lediglich die Spitze des Eisbergs.

Klassenkampf: Verteilung von Reichtum und Macht

Immer wieder wird eine Politik durchgesetzt, die die Interessen der oberen zehn Prozent, meist nur des reichsten ein Prozent, vertritt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der reale Machtverhältnisse offensichtlich existieren. Folgernd gibt es einen winzigen Teil der Bevölkerung, der sich das Geld hin- und herschiebt, während es noch die Klasse der Arbeitenden gibt, die den Reichtum dieser Gesellschaft produziert, aber am wenigsten davon profitiert. Seitens der Politik wird verneint, dass Klassenverhältnisse existieren, und von heuchelnden PolitikerInnen wird vom Wohlstand der gesellschaftlichen Mitte gesprochen. Dabei beruhen Klassenverhältnisse auf einer ungleichen Stellung der Menschen und ungleicher kann die Verteilung des Kapitals kaum noch werden.

Individueller sozialer und finanzieller Aufstieg ist nicht nur für Menschen im krisenbehafteten Südeuropa nahezu unmöglich, sondern für uns alle. Vor Ausbeutung und Niedriglöhnen ist keine/r der arbeitenden Gesellschaft geschützt. Diejenigen, die einen Job haben, mit dem sie ihren Lebensstandard für sich und ihre Familie konstant halten können, müssen mit ständiger Verfügbarkeit und ihrer Gesundheit bezahlen. Nach dem Motto „Du bist nur etwas wert, solange du arbeitest“ gehört es inzwischen zum Arbeitsalltag, dem enormen Leistungsdruck standzuhalten, bis zur Erschöpfung zu ackern, psychische und physische Gesundheit auf‘s Spiel zu setzen und so kaum Zeit und Kraft für sein soziales Umfeld, seine Interessen, insbesondere für politische Arbeit und Weiterbildung, aufbringen zu können. Das ist das mürbe Machen seitens des kapitalistischen Systems. Aufrecht erhalten durch das Propagieren einer nicht gegebenen Chancengleichheit: „vom Tellerwäscher zum Millionär“.

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert“ Albert Einstein (Physiker)

Eine Gesellschaft, in der einige wenige auf Yachten durch die Weltgeschichte schippern und sich die Welt korrumpieren, wie es ihnen gefällt, während der Großteil unter wachsendem Druck darum kämpfen muss, für die existenziellen Dinge wie Essen, Miete und Bildung aufkommen zu können, ist absolut inakzeptabel. Folglich fordert ein Ausweg aus dem Kapitalismus nicht nur eine ökonomische, sondern ebenso eine politische Neuausrichtung und ist eine Frage von Klassenkämpfen.

Wir stellen uns gegen eine Zwei-Klassengesellschaft und setzen uns dafür ein, mehr Klassenbewusstsein zu entwickeln, um gemeinsam zu kämpfen. Wir fordern Arbeitslose, Lohnabhängige, Studierende sowie alle Menschen, die dieser Ohnmacht ausgesetzt sind, auf, sich von der Abhängigkeit der bestehenden Machtverhältnisse zu befreien.

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“ Warren Edward Buffet (Multi-Milliardär)

Repression und Überwachung

Weiterhin versucht der Staat, durch repressive Maßnahmen seine Macht zu sichern. Denjenigen, die „aus dem System fallen“, wird das Leben schwerer gemacht. Passt man nicht in das Bild der herrschenden Klasse, sind die Konsequenzen staatliche Sanktionen und gesellschaftlicher Ausschluss. Dazu zählen nicht weiße Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die tagtäglich mit racial profiling zu kämpfen haben, Arbeitslose, denen mit Zahlungsstopp gedroht wird („nur wer arbeitet, ist von Nutzen“) oder die kriminalisierte revolutionäre Linke (die dieses System in Frage stellt).

Durch Maßnahmen wie Hausdurchsuchungen, Festnahmen bei Demonstrationen, Strafbefehle und Prozesse wird versucht, politisch Aktive einzuschüchtern und zu kriminalisieren. Meinungsfreiheit, Organisationsfreiheit und Demonstrationsrecht werden vom Staat mit Füßen getreten.

Der Staat erzeugt Unsicherheit durch einseitige Berichterstattung, durch medial produzierte Feindbilder und Panikmache vor Terroranschlägen. Dabei werden Grund- und Persönlichkeitsrechte zunehmend ausgehebelt. Verstärkte Kontrolle des öffentlichen Raumes, der Ausbau polizeilicher und juristischer Befugnisse im Bereich der inneren Sicherheit und die flächendeckende Bespitzelung der gesamten Bevölkerung machen deutlich, dass wir uns in einem autoritären Sicherheitsstaat befinden.

Selbst vor Überwachung in offensichtlichster Form wird nicht zurückgeschreckt. Wo man steht und geht, ist sorgsam alles durch überall installierte Kameras dokumentiert und dank Vorratsdatenspeicherung, Handys und soziale Netzwerke kann man tatkräftig Unterstützung leisten. Mit dem Gedanken „Ich habe ja nichts zu verbergen“ ist es zur Normalität geworden, sich vor Staat und Wirtschaft nackt zu machen und diesen Umstand in Kauf zu nehmen.

Dabei wird oft etwas außer Acht gelassen: Das Internet vergisst nie. Alle aufgerufenen Seiten, eingegebenen Informationen, getätigten Überweisungen und Einkäufe, hochgeladenen Bilder und gepostete Kommentare etc. werden behalten. Diese Datenmenge wird weltweit von Geheimdiensten der jeweiligen Länder gesammelt, analysiert und verarbeitet. Heute wissen Algorithmen, wie wir uns fühlen, was wir denken und was wir tun – und das wahrscheinlich besser als unsere FreundInnen und Familie. Dadurch entsteht nicht nur ein „gläserner Bürger“, sondern auch eine „gläserne Gesellschaft“.

„Wenn Sie in der Öffentlichkeit sind, müssen Sie damit rechnen, dass Sie beobachtet werden Wolfgang Schäuble“ (CDU-Politiker)

Der Staat interessiert sich bestimmt nicht nur dafür, was wir tun, sondern möchte auch sicherstellen, dass wir „das Richtige“ tun. Die gesammelten Daten können genutzt werden, um eine Gesellschaft durch gezielten Einsatz von (teilweise falschen) Informationen zu beeinflussen und zu manipulieren. Das geschieht bereits jetzt im Kleinen durch veränderte Suchvorschläge und Ergebnisse bei Google oder gekaufte Stimmen und „Likes“ in Social Media. Das Internet, ursprünglich ein selbst geschaffener technologischer Freiraum, ist heute durch Staat und Wirtschaft reguliert und beschränkt. Die rasante technologische Entwicklung wird es zunehmend ermöglichen, Einfluss auf uns alle zu nehmen – wenn wir sie lassen.

Das imperialistische Stadium des Kapitalismus

Der Ballast einer unfairen Produktion, die Ausbeutung von ArbeiterInnen unter unmenschlichen Bedingungen vor allem in Billiglohnländern, die Unterstützung multinationaler Konzerne seitens Staaten und Banken – all dies sind Auswüchse der Profitlogik des Kapitalismus. Über eine Milliarde Menschen leben in absoluter Armut. Das bedeutet, dass sie mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. Alle drei Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen dieser Armut. Allein während dieser Satz gelesen wird, sind es zwei Menschenleben, die nicht zwangsläufig ihr Ende hätten finden müssen.

Das sind Zahlen, die wütend machen. Zahlen, die zwar offiziell bekannt sind, jedoch von einem Großteil der Bevölkerung teilnahmslos hingenommen werden. Diese Umstände werden durch das kapitalistische System bis ins Bodenlose geschürt und aufrechterhalten.

Das ärmste Fünftel der Weltbevölkerung ist nur zu zwei Prozent am Welthandel beteiligt. Und nicht die kleinen Unternehmen profitieren von diesem Wirtschaftssystem, vielmehr wächst der Einfluss der multinationalen Konzerne. Dabei wird das Geld/der Gewinn nicht dorthin verteilt, wo es/er am sinnvollsten wirken könnte. Vielmehr wird darauf geschaut, wo es/er sich am besten maximieren kann. Die ärmsten Regionen der Welt gehen dabei unter und die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer.

In diesem imperialistischen Stadium des Kapitalismus werden wirtschaftliche Monopole gestärkt und die Sieger, die daraus hervorgehen, sind lediglich die herrschenden Eliten. Wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf andere Länder zu erlangen, steht an erster Stelle, denn das bedeutet Rohstoffe für sich zu beanspruchen, militärische Stützpunkte zu sichern und das eigene Kapital zu vermehren. Ein imperialistischer Staat ist die handelnde Kraft der entwickelten Produktionsweise, denn er will die Produkte anderer Länder in die Zirkulation und damit in die Produktion des nationalen Kapitals bringen. Somit sieht er sämtliche Länder als Praxisfeld seiner Interessen. Dabei trifft der imperialistische Staat auf Schranken, die er versucht, mit seinen jeweiligen Mitteln zu überwinden. Bei diesen muss es sich nicht zwangsläufig um militärische Mittel handeln, wie es der Alltagsbegriff von Imperialismus nahelegt. Die Wege zur Durchsetzung imperialistischer Ziele reichen „vom Einsatz militärischer Mittel, um einen Konkurrenten bankrott zu machen, bis zum Ankauf von Betrieben und Rohstoffquellen und bis zur finanziellen Abhängigkeit, zur ‚ökonomischen Annexion‘ (Lenin) ganzer Länder“ (Rolf Barthel 1978).

Dabei wird den ausgebeuteten Ländern nicht ermöglicht, eine selbstständige Wirtschaft zu entwickeln, denn eine gesamtgesellschaftliche Planung gibt der Imperialismus nicht her. Auf dem Feldzug „zur Akkumulation der Monopole“ bleibt der einzelne Mensch auf der Strecke.

„Wenn ihr eure Ketten nicht zerreist – von selber brechen sie nicht!“ Erich Mühsam (Anarchist)

An den Beispielen Griechenlands, Irlands und Spaniens ist deutlich zu sehen, wie Länder durch diese Vorgehensweise zu Grunde gewirtschaftet werden. In diesem Fall ist die autoritäre EU-Wirtschaftsregierung, mitunter die Troika, Richter und Henker. Aber nicht nur in Europa, sondern weltweit werden ärmeren Ländern sogenannte „Freihandelsabkommen“ diktiert, die es den Ländern unmöglich machen, sich durch eigene Kraft zu erhalten oder wiederaufzubauen. Es wird keine Hilfe geleistet, sondern in die Abhängigkeit gezwungen. Die heimische Produktion wird zu Gunsten westlicher Industriekonzerne vernichtet. Durch diese perverse kapitalistische Weltordnung verlieren beispielsweise Millionen von Kleinbauern- und -bäuerinnen ihre Existenz, leiden Jahr für Jahr Millionen Menschen Hunger, während die westlichen Wirtschaftsmächte es für nötig halten, in permanenter Überproduktion zu leben. Haben die westliche Wirtschaft und ihre Konzerne durch ihre Neokolonialisierung die Lebensgrundlage der dort lebenden Menschen komplett zerstört, bleibt vielen nichts anderes übrig, als in andere Länder zu flüchten, um dort auf ein menschenwürdiges Leben zu hoffen. Perfide ist, dass dann noch verächtlich von Wirtschaftsflüchtlingen gesprochen wird.

All dies zeigt deutlich, dass eine Neuorientierung unumgänglich ist. Wir akzeptieren keine Rückschritte mehr. Bleibt aufmerksam und erkennt die teils verschleierten Folgen dieses kranken Systems. Findet Wege, aus diesem auszubrechen und dieses zu bekämpfen: „fight the game, fight the player“.

Frauenbefreiung

Von Geburt an wird ein Mensch je nach Geschlechtszuteilung sozialisiert und in starre Geschlechterrollen gedrängt; beispielsweise durch eine unterschiedliche Erziehung zum Sauberkeitsbewusstsein oder durch geschlechtsspezifisches Spielzeug. Kinder lernen schnell, was es bedeutet, ein Mädchen oder ein Junge zu sein, und welche Erwartungen an diese Geschlechterrollen bestehen. Ab ihrem sechsten Lebensjahr gehen Kinder davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gäbe. Weiblichkeit und Männlichkeit bleiben Identitätsschablonen. Abweichungen sind in dieser Gesellschaft zwar denkbar, aber nur schwer auzuleben.

In einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft werden Frauen und Männern unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben und als ‚natürlich‘ wahrgenommen. So werden Frauen ab- und Männer aufgewertet: Frauen seien emotional, passiv und schwach, während Männer rational, der Logik verbunden und handlungsfähig seien. Dadurch wird der Anschein erweckt, ‚männliche Eigenschaften‘ seien erstrebenswerter.

In einer auf diese Weise patriarchal organisierten Gesellschaft wird Frauen durch ihre Rollenzuweisung eine untergeordnete Position zugeteilt. Gegen den Trugschluss, Frauen seien bereits gleichberechtigt, gilt es daher nach wie vor anzukämpfen.

„Wir werden nicht als Frauen geboren, wir werden dazu (gemacht)“ Simone de Beauvoir (Philosophin, Feministin)

Race, class, gender – Wechselwirkung verschiedener Unterdrueckungsmechanismen

Im Kapitalismus werden Frauen durch Sexismus diskriminiert und abgewertet. Deutungsmuster sozialer Wirklichkeit ist der Androzentrismus, wodurch Männer und deren Erfahrungen als gesellschaftliche Norm gelten. Zudem wirken weitere Gewalt- und Machtverhältnisse gegen Frauen, wie Rassismus und Klassenunterdrückung. Diese Unterdrückungsmechanismen sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern in Bezug aufeinander.

Ein anschauliches Beispiel für die Kombination von Unterdrückungsformen ist das Gerichtsverfahren ‚DeGraffenreid vs. General Motors‘ aus den 1970er-Jahren: Fünf schwarze Arbeiterinnen klagten gegen General Motors, da der Automobilkonzern aus Detroit fast allen schwarzen Frauen im Zuge einer Massenentlassung gekündigt hatte. Dies war darauf zurückzuführen, dass ArbeiterInnen, die die kürzeste Zeit bei General Motors beschäftigt waren, bevorzugt entlassen wurden. Da schwarze Frauen erst seit 1964 eingestellt wurden, waren sie in besonderem Maß betroffen. Sie wurden im Kündigungsverfahren sowohl als Schwarze als auch als Frauen benachteiligt. Zudem waren sie als Arbeiterinnen der Willkür der KapitalistInnen ausgesetzt.

Das Phänomen, dass sich Achsen der Ungleichheit überschneiden, sollte nicht als individuelles betrachtet werden. Ansonsten läuft man Gefahr, die Strukturen gesellschaftlicher Reproduktion aus dem Blick zu verlieren und keinen kollektiven Widerstand zu forcieren.

Just married – Kapitalismus und Patriarchat

Der Kapitalismus und das Patriarchat führen eine erfolgreiche Ehe und beuten Frauen im doppelten Sinn aus: zum einen durch Lohnarbeit, zum anderen durch unbezahlte Reproduktionsarbeit (Erziehungs-, Haus- und Betreuungsarbeit). Auf diese Sorgearbeit ist der Kapitalismus nach wie vor angewiesen, um eine Gesellschaft aufrecht zu erhalten, die sich der Profitlogik verschrieben hat. 

Frauen gehen häufig prekären Beschäftigungen nach: Sie arbeiten in Teilzeit und sind stark in unterbezahlten Branchen vertreten. Den Arbeitsbereichen, in denen überwiegend Frauen vertreten sind, wird gesellschaftlich weniger Wert beigemessen. Das macht Frauen für kapitalistische Ausbeutung besonders attraktiv, sie verdienen im Schnitt 21% weniger. Auch für die gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen werden Frauen deutlich schlechter bezahlt. Dennoch herrscht gesellschaftlich die Vorstellung von Chancengleichheit. Würden Frauen hart genug arbeiten, bekämen sie ihr Stück vom Kuchen. Scheitern sie in dieser Leistungsgesellschaft, tragen sie die Schuld allein. Die verantwortlichen patriarchalen und kapitalistischen Strukturen werden ignoriert. Diese halten Frauen und insbesondere Mütter, die sich in heterosexuellen Beziehungen befinden, sowie geschiedene Frauen in finanzieller Abhängigkeit von Männern.

„Der Grad der weiblichen Emanzipation ist das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation“ Karl Marx / Friedrich Engels (Philosophen, Gesellschafts-theoretiker des Sozialismus und Kommunismus)

Die Reproduktionsarbeit wird nach wie vor überwiegend von Frauen verrichtet, im Schnitt erledigen sie am Tag 100 Minuten mehr Haus- und Betreuungsarbeit als Männer. Demzufolge sind Frauen überproportional im privaten Bereich vertreten, während Männern in der öffentlichen Sphäre die vergleichsweise privilegierte Position der Lohnarbeit zukommt. Diese ist gesellschaftlich überbewertet und wird nur dadurch möglich, dass die lebenserhaltende und lebensentwickelnde Reproduktionsarbeit verrichtet wird. Dadurch, dass Frauen diese übernehmen, muss sich weder Staat noch Kapital darum kümmern. Dies ermöglicht es, insbesondere den Frauen, aber auch gesamtgesellschaftlich der Klasse der Lohnabhängigen, weniger vom Mehrwert abzugeben.

Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist alltäglich und dient als zentrales Mittel ihrer Unterdrückung. In Europa erfährt jede dritte Frau Gewalt. Durch psychische, physische, sexuelle sowie strukturelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen werden Patriarchat und männliche Dominanz gesichert. Gewalt gilt gesamtgesellschaftlich als verpönt; in der Realität werden betroffene Frauen jedoch häufig nicht ernst genommen. Das Geschehene wird betont in Frage gestellt. Betroffene müssen sich ihrem Umfeld oder sogar fremden Personen gegenüber ständig erklären. Zudem wird ihnen nach einer Täter-Opfer-Umkehr häufig eine (Mit-)Schuld an sexueller Gewalt unterstellt.

Der imperialistische Kapitalismus ist nach wie vor auf Kriege angewiesen, um sich Rohstoffe, Märkte, Macht und damit Profit zu sichern. Um diese Interessen zu verschleiern und die Kriegsführung zu legitimieren, instrumentalisieren westliche Staaten die Unterdrückung der Frau. So wurde die ‚Befreiung der Frau‘ beispielsweise als Zusatzargument für den 2014 für beendet erklärten, jedoch immer noch andauernden Afghanistan-Krieg angeführt. Dabei nehmen die ImperialistInnen billigend in Kauf und tragen Verantwortung dafür, dass Frauen im Krieg von massiver Gewalt betroffen sind: Mord, (Massen-)Vergewaltigung als Kriegsinstrument, Vertreibung, Armut, Hunger sowie Mädchen-/Frauenhandel und Zwangsprostitution sind Folgen kapitalistischer Profitgier.

Sex sells – Frauenkörper als Marke

Durch die Werbung und Medien wird ein bestimmtes Bild von Weiblichkeit vermittelt und verkauft: Frauen sollen jung, selbstbewusst und sexuell anziehend sein. Männer dagegen können auch im Alter noch ein sexy Schlitten sein. Um unrealistische Schönheitsideale zu erfüllen, versprechen unzählige Pflegeprodukte Abhilfe. Über 80% aller Produkte und Dienstleistungen werden in den westlichen Industrienationen von Frauen gekauft. Die patriarchale Kapitalismusmaschine hängt zusätzlich zur Unterbezahlung und der Verrichtung unbezahlter Reproduktionsarbeit von der Kaufkraft der Frauen ab.

„Nur dann, wenn wir unseren Körper richtig scheiße finden, erhöhen wir unsere Kaufkraft, [denn] wir müssen unsere Fuckability-Spanne verlängern“ Caroline Kebekus (Komikerin, Schauspielerin)

Her mit dem schönen Leben – Fuer einen klassenkaempferischen Feminismus!

Solange die Reproduktionsarbeit private und nicht gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, bleibt die Unterdrückung der Frau bestehen. Eine Angleichung von Frauenrechten an Männerrechte bietet in diesem System keine Gleichberechtigung. Erst durch die Überwindung des Kapitalismus kann die Befreiung der Frau verwirklicht werden. Bis dahin werden wir jedoch bereits im Hier und Jetzt für diese Befreiung kämpfen. Dafür brauchen wir einen Feminismus, der sich nicht scheut, die soziale Frage zu stellen.

Wir wollen einen Beitrag zu einer klassenkämpferischen Frauenbewegung leisten, die das Netzwerk aus Patriarchat und Kapitalismus als Ursache von Frauenunterdrückung erkennt und bekämpft. Dazu können uns internationale Beispiele entschlossener und militanter Frauenkämpfe Vorbild sein, wenngleich wir die hiesigen Verhältnisse berücksichtigen müssen. Der Kampf für die Befreiung der Frau muss zu einem alltäglichen und gleichgewichtigen in der revolutionären Linken werden. Deshalb haben wir den Anspruch, jedes Thema aus einer Haltung zu analysieren, die dem Geflecht aus Patriarchat und Kapitalismus unversöhnlich gegenübersteht und dieses nicht aus dem Blick geraten lässt.

„Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts“ Simone de Beauvoir (Philosophin, Feministin)

Internationalismus

Antinationalistische Perspektive mit Klasse

Unter einem selbstbestimmten und freien Leben stellen wir uns eine Existenz vor, welche nicht durch Grenzen, Nationen oder Klassen bestimmt wird. Nationalismus ist eine Ideologie, die ein Gefühl von nationaler und kultureller Gemeinsamkeit erzeugt, um die weltweite Solidarität innerhalb der unterdrückten Klasse zu verhindern. Dies stellt ein nicht zu unterschätzendes Machtinstrument des kapitalistischen Systems dar. In Wahrheit verlaufen die Grenzen nicht zwischen Ländern, sondern zwischen Klassen.

Eine antinationalistische Perspektive stellt für uns kein Ausschlusskriterium der Solidarität mit fortschrittlichen Bewegungen dar, die für ein Leben ohne neokoloniale Fremdbestimmung kämpfen. „Nationale“ Unabhängigkeit kann eine Etappe auf dem Weg zur Befreiung sein. „Ohne Besatzungsmacht oder allgemein ohne Imperialismus kann Befreiung scheitern, aber mit diesen ist sie unmöglich“ (Siempre Antifa Frankfurt 2016).

Die Abkehr von einer internationalen Solidarität hin zu einem Antinationalismus, der Macht- und Ausbeutungsverhältnisse nicht erkennt, muss als Fehler der radikalen Linken gesehen und korrigiert werden. Global unterschiedliche Kräfteverhältnisse zwischen imperialistischen und ökonomisch und politisch unterdrückten Staaten müssen als solche analysiert werden. Das bedeutet nicht, dass wir Staaten, die sich in keinem imperialistischen Stadium befinden, als fortschrittlich verkennen, wie es Antinationale der antiimperialistischen Linken nur allzu gern unterstellen. 

„Niemand kann frei sein, solange es nicht alle sind“ Erich Mühsam (Schriftsteller, Anarchist)

Der stumpfe Antinationalismus erfährt zu Recht keinen Zuspruch außerhalb des deutschsprachigen Raumes. Denn auch im internationalen Kontext bleibt die Kritik der Antinationalen an den herrschenden Verhältnissen undeutlich. Anstatt die Verantwortung von kapitalistisch und imperialistisch handelnden Staaten und AkteurInnen konkret zu benennen, wird lediglich eine allgemeine Kritik an Nation, Staat und Kapital laut. Es wird sich nicht mehr solidarisch und gleichzeitig kritisch mit Widerstands- und Freiheitskämpfen beschäftigt. Die Auseinandersetzung beschränkt sich darauf, das „Haar in der Suppe“ zu finden, um sich zu distanzieren. Wir grenzen uns von diesem verkürzten Antinationalismus ab, der keine Solidarität mit den weltweiten Kämpfen unserer Klasse zeigt. Wir kämpfen gegen ein international agierendes System. Deshalb muss der Kampf auch international geführt werden! Dies setzt die Solidarisierung mit Klassenkämpfen und die Vernetzung mit GenossInnen weltweit voraus.

Fluchtursachen benennen!

Eine internationalistische Perspektive muss sich solidarisch mit den Betroffenen der imperialistischen Kriegs- und Ausbeutungspolitik zeigen: Das Konstrukt eines gemeinsamen Europas, das als vermeintliche Loslösung vom Nationalstaat propagiert wird, stellt nichts anderes als einen weiteren imperialistischen „Global Player“ dar, um in einem immer weiter globalisierten System zu bestehen. Dies geschieht auf Kosten der ausgebeuteten Klasse weltweit. Die Europäische Union zwingt durch wirtschaftliche Ausbeutung, Waffenverkäufe und Kriegseinsätze Millionen von Menschen zur Flucht. Im Klartext: Täglich sterben Hunderte Menschen an den Außengrenzen beim Versuch, Sicherheit zu finden. Durch den Ausbau der Festung Europa wird alles getan, um Flüchtende abzuhalten.

Denjenigen, die es dennoch nach Europa schaffen, wird das Leben so schwer wie möglich gemacht. Sei es wie bereits erwähnt durch alltäglichen Rassismus seitens Behörden und Polizei, eine menschenverachtende Abschiebepolitik oder auch durch das teilweise bewusste Schüren von Vorurteilen und Ängsten in der Bevölkerung.

Die Folge davon ist auch das Wiedererstarken von nationalistischen und rassistischen Parteien und Organisationen, die eine Plattform für den reaktionären Teil der Bevölkerung darstellen, der dadurch immer häufiger offen in Erscheinung tritt. Diese Entwicklung muss auf allen Ebenen vehement bekämpft werden. Dabei ist die praktische Solidarisierung mit Geflüchteten und MigrantInnen notwendig und ein wichtiger Teil des Internationalismus. Denn gerade diese Menschen sind häufig von den Auswirkungen eines aggressiven Imperialismus in ihren Herkunftsländern betroffen. Zusätzlich werden sie dann hier vor Ort durch eine repressive Asylpolitik in allen Lebensbereichen unterdrückt.

Internationalismus bedeutet ebenfalls, den Lebens- und Herangehensweisen politischer Bewegungen und „ihren“ Kämpfen global Beachtung zu schenken. Auch wenn wir nicht direkt zu den Beteiligten oder Betroffenen zählen, sind es ebenso unsere Kämpfe. Es sind die gleichen kapitalistischen Verhältnisse, gegen die sich unser Widerstand richtet. Das beinhaltet, sich vor Denkanstößen und Lösungsstrategien anderer nicht zu verschließen, auch wenn diese in unserer Lebensrealität zunächst ungewohnt erscheinen.

Wir müssen den Kampf auf internationaler Ebene führen und voneinander lernen, unabhängig von unterschiedlichen Kulturen. Daher müssen wir aufhören, unseren Ansatz als den einzig richtigen zu betrachten, und beginnen, Interesse und vor allem Verständnis für Konflikte außerhalb Deutschlands und Europas zu entwickeln und diese zu analysieren. Wir sind uns darüber im Klaren, dass der persönliche Austausch und die Vernetzung über Grenzen hinweg oft schwierig sind. Dennoch sind wir bemüht, unseren Horizont global zu erweitern und uns solidarisch mit den Kämpfen in anderen Regionen dieser Welt zu zeigen.