Klimakampf heißt Klassenkampf

Das Klima unserer Erde wandelt sich. Seit Beginn der industriellen Revolution haben die Menschen Unmengen an Treibhausgasen ausgestoßen, laut IPCC hat sich die Erde bereits um einen Grad erwärmt. Die Klimakrise ist eindeutig eine existenzielle Bedrohung für die Natur und Menschen. Bedeutet das etwa, dass die Klimakrise keinen Klassencharakter hat? Ist sie wie ein riesiger Meteor, der aus dem Weltall auf die Erde zufliegt, eine klassenunabhängige Bedrohung, für die sowohl keine Klasse verantwortlich als auch alle gesellschaftlichen Klassen gleichermaßen ein Interesse an ihrer Bekämpfung haben?
Dem ist nicht so. Die Klimakrise hat einen eindeutigen Klassencharakter. Für die Klimakrise verantwortlich ist die gleiche gesellschaftliche Klasse, welche das geringste ökonomische Interesse an ihrer Bekämpfung hat: die Kapitalistenklasse.
Die kapitalistische Produktionsweise steht in grundlegendem Widerspruch zu nachhaltigem Wirtschaften. Wert hat für den Kapitalisten nur etwas, was einen Tauschwert hat. So haben Güter von durchaus hohem Gebrauchswert für den Kapitalisten so lange keinen Wert, wie er sie nicht zur Ware machen kann. Die Luft, die alle atmen, wird verschmutzt um günstiger produzieren zu können, der Wald, in dem die Menschen sich entspannen und spazieren gehen können, wird gerodet zugunsten einer Autobahn, das denkmalgeschützte Dorf, in dem Familien bereits seit vielen Generationen leben, wird zugunsten des Kohleabbaus abgerissen.

Die aktuelle kapitalistische Ordnung ist unfähig, hin zu einem „grünen Kapitalismus“ reformiert zu werden.
Es herrscht eine doppelte Konkurrenz: die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Unternehmen am Markt, aber auch die Konkurrenz zwischen den verschiedenen bürgerlich kapitalistischen Staaten. In ersterer setzt sich derjenige durch, der am günstigsten produzieren kann, in der Realität sind das meistens die Unternehmen, welche innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Minimalstandarts bezüglich Bezahlung, Arbeitsschutz und Umweltschutz einhalten. Zusätzliche, freiwillige Maßnahmen sind nur ein weiterer Kostenfaktor, der dem Unternehmen auf dem Markt einen Nachteil bringt, viel günstiger ist es, nur die Minimalstandarts einzuhalten und zusätzlich eine Greenwashing Kampagne zu betreiben, in der die Unternehmen erklären, wie wichtig ihnen die Umwelt wäre, anstatt die Produktion tatsächlich nachhaltig umzustellen. So setzten sich am Markt meistens die Unternehmen durch, die den bestehenden Rechtsrahmen am skrupellosesten ausreizen und so am billigsten produzieren können.
Die zweite Konkurrenz ist die, zwischen verschiedenen bürgerlich kapitalistischen Nationalstaaten. Deren Aufgabe ist es, ihr nationales Kapital zu schützen, ihm eine gute Weltmarktposition zu verschaffen und neue Kapitalisten und ihr Kapital auf ihr Territorium anzuziehen. Je besser es dem Kapital im Staat geht, desto besser geht es dem Staat selbst (zum Beispiel dank Steuern) und desto mehr Handlungsmöglichkeiten hat der Staat.
Durch diese Konkurrenz zwischen den verschiedenen Staaten, sind diese untereinander in einem Unterbietungswettbewerb, was soziale und ökologische Standards angeht. Reformen können nur in dem Rahmen stattfinden, dass die Kapitalisten weiterhin unter günstigen Bedingungen produzieren können. Gingen Reformen soweit, dass das nationale Kapital abwandert, hätte der Staat in seiner Aufgabe als ideeller Gesamtkapitalist versagt, woran er natürlich kein Interesse hat.
Wenn es tatsächlich aufgrund von öffentlichem Druck einmal gelingt, strengere Umweltschutzrichtlinien umzusetzen, sodass gewisse Industriezweige in andere Länder abwandern, dann ist dies nur in für den Staat ökonomisch zweitrangigen Wirtschaftszweigen möglich. So ist zum Beispiel die Textilindustrie aus Deutschland zum größten Teil in den asiatischen Raum abgewandert, aufgrund von strengeren Umwelt- und Sozialgesetzen, weil man sich dies in diesem für Deutschland ökonomisch zweitrangigen Sektor leisten konnte. Bei der Autoindustrie, welche so wichtig für die deutsche Wirtschaft ist, dass sie zum Teil sogar die Sie betreffenden Gesetze selbst schreibt, wären strenge Umweltgesetze, die dazu führen würden, dass die Autoindustrie abwandert, zum Beispiel undenkbar. Auch wichtig ist hierbei, dass es für das Klima keinen Unterschied macht, ob die Waren, welche wir hier verbrauchen, in Bangladesch oder Deutschland produziert werden. Wenn also die Industrie, deren Waren wir weiterhin kaufen und verbrauchen, einfach abwandert aufgrund von strengeren Regeln, ist also Klimatechnisch nichts gewonnen.
Die abgewanderte Industrie ist dann wiederum in anderen Ländern (wie zum Beispiel Bangladesch) ein ökonomisch erstrangiger Wirtschaftssektor und essenziell für den Staat und seine Wirtschaft, wird also entsprechend bevorzugt behandelt und kaum reguliert, wie in Deutschland die Autoindustrie.

Der weltweite CO2 Ausstoß stieg seit 1900 kontinuierlich an (mit zwischenzeitlichen Senkungen bedingt durch Wirtschaftskrisen). Das Länder wie Deutschland seit einigen Jahren trotz Wirtschaftswachstum weniger Treibhausgase ausstoßen liegt auch daran, dass viel industrielle Produktion (infolge von strengeren Umwelt und Sozialgesetzen) zugunsten eines CO2 ärmeren Dienstleistungssektors in den globalen Süden verlegt wurde, wo die Arbeitskraft deutlich billiger ist. Man lässt die benötigten Waren günstiger in Asien und anderen imperialistisch ausgebeuteten Regionen produzieren und schönt zugleich die eigene CO2 Billanz, so schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe!
Und während 100 Unternehmen für 71% der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind, versucht uns der Klassenfeind einen Bären aufzubinden, wenn er uns erklärt, die Klimakrise wäre ein individuelles Problem, welches durch bewusste Konsumentscheidungen gelöst werden könnte. Lebt einfach alle vegan, kauft Bio, benutzt öffentliche Verkehrsmittel und das Problem wird sich von alleine lösen. Schuld an allem ist der böse Konsument, der die unter unglaublich schlechten Bedingungen produzierten Waren ganz dreist einfach kauft und meint, mit einem Benziner oder Diesel zur Arbeit fahren zu müssen. Dass der Arbeiterlohn meist wenig Spielraum für Bio und Fairtrade Produkte bietet und die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nur unzuverlässig, unterfinanziert und schlecht ausgebaut, sondern meistens sogar deutlich teurer als das Auto sind, wird da gerne einfach absichtlich vergessen. Die herrschende Klasse und große Teile des Kleinbürgertums und der Arbeiteraristokratie kaufen sich so das Gewissen rein, schieben die Schuld auf die Arbeiter und erhalten währenddessen jene Produktionsverhältnisse, welche uns die Klimakrise beschert haben. Dazu passt, dass der erste CO2-Fußabdruck Rechner vom Öl und Gaskonzern BP beauftragt und finanziert wurde. Ein genialer PR-Trick, die Klimakrise wird individualisiert, die Konsumenten sind nun schuld und nicht mehr die Großkonzerne und die Art wie produziert wird bleibt weiterhin unangetastet.
Wir sehen also: die Klimakrise ist kein über den Klassen stehendes, neutrales Problem an deren Lösung alle Menschen gleichermaßen interessiert sind. Sie ist ausgelöst worden durch Produktionsverhältnisse, von denen nur eine Minderheit profitiert. Logischerweise möchte diese Minderheit diese Verhältnisse nicht ändern, sie versucht mit aller Gewalt zu verschleiern, wer für diese Krise verantwortlich ist und hat sich nun als Sündenbock die Arbeiterklasse gesucht, gerade die Klasse die unter den jetzigen Produktionsverhältnissen und dem Klimawandel am stärksten leidet. Daher ist es nicht nur sinnvoll, die Klima- und Klassenkämpfe miteinander zu vereinen, es ist sogar eine zwingende Notwenigkeit, wenn wir diese Krise bewältigen wollen. Enteignen wir also die Klasse, die das Klima und unsere Lebensgrundlagen zerstört und lasst uns Produktionsverhältnisse erkämpfen, in denen die Wirtschaft rational, bedarfsorientiert und klimagerecht geplant wird, Klimakampf heißt Klassenkampf!