8. März heißt Widerstand – Frauen kämpfen Hand in Hand!

Basta! 8. März bleibt Internationaler Frauenkampftag! Unter diesem Motto rief das 8.März Bündnis Gießen zur jährlichen Frauenkampftags-Demo auf. „Denn solange die Hälfte der Menschheit wie Frauen behandelt, unterdrückt und ausgebeutet wird, solange wird der 8. März der internationale Frauenkampftag bleiben“, so das 8. März Bündnis, indem sich einzelne Frauen und verschiedene Gruppen organisieren.

Rund 700 Menschen zogen durch die Innenstadt Gießens. Dabei wurde auf Schildern zum Beispiel darauf aufmerksam gemacht, dass Gewalt gegen Frauen niemals eine Privatangelegenheit ist, dabei wurden Parolen wie „Frauen kämpfen international – gegen Krise, Krieg und Kapital“ oder „Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine“ gerufen.

Auf Transparenten wurde eine Ehrung von Ria Deeg, Gießener Widerstandskämpferin im deutschen Faschismus, überzeugte Antifaschistin und Kommunistin, gefordert. Am Elefantenklo entrollte die DKP ein überdimensionales Banner auf, auf welchem „eine Stele für Ria Deeg“ gefordert wurde.

Wenig später wurde die Löwengasse symbolisch in „Esther-Bejarano-Straße“ umbenannt, um an die Auschwitz-Überlebende und Antifaschistin zu erinnern:

Dabei wurde auf ihr zivilgesellschaftliches und politisches Engagement hingewiesen:

„Bejarano bezog als organisierte Kommunistin zu aktuellen politischen Debatten immer eine klare kritische Haltung, die vor allem den bürgerlichen Parteien nicht gefiel. Für ihr Engagement wurde sie daher nie offiziell geehrt oder erhielt eine Einladung zur jährlichen Gedenkstunde im Bundestag anlässlich der Befreiung von Auschwitz. Sie behält Recht, als sie sagte „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen!“ Diese Worte sollten wir in Erinnerung behalten.“

In Reden wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Frauen noch immer den überwiegenden Teil der Reproduktionsarbeit leisten, welche der Regeneration und Wiederherstellung der Arbeitskraft dient, ohne die das kapitalistische Produktionssystem und die Lohnarbeit undenkbar sind.

Die zusätzliche Belastung der Frauen durch Lohnarbeit, und die systematische Unterbezahlung der vor allem von Frauen ausgeübten Berufe, wurde thematisiert:

„75% der sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen werden von Frauen ausgeübt. Das sind beispielsweise Pflege- und Erziehungsberufe, der Lebensmittelhandel und die Reinigungsbranche. Diese waren bereits vor der Krise gesellschaftlich kaum wertgeschätzte und prekäre Beschäftigungsbereiche, was durch die Krise deutlich verschärft wurde.

Sowohl in Supermärkten als auch im Pflegebereich sind Überstunden an der Tagesordnung. […] Wir sagen Basta! Ohne Befreiung von der kapitalistischen Profitlogik ist keine Befreiung der Frau möglich!“, so die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen, die zudem Alltagssexismus und (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen thematisierte:

„Die Bandbreite ist groß, alleine bezüglich des Sexismus im Alltag: abwertende Sprüche auf der Straße, sogenanntes „Catcalling“, das unerwünschte Zusenden von Bildern, Hände, die auf Oberschenkel gelegt werden und die zu weit den Rücken herunterrutschen, einen Klaps auf den Po […] Jeden Tag versucht ein Mann seine Frau, aktuelle oder ehemalige Partnerin umzubringen. Und häufiger als jeden 3. Tag gelingt es einem. Knapp die Hälfte aller Frauen in Deutschland haben bereits sexualisierte oder körperliche Gewalt erfahren müssen.“

„Wir brauchen Brot, keine Kanonen. Wir brauchen Schulen, keine Kasernen. Wir brauchen Wohnungen, keine Friedhöfe.“ Nachdem die Vertreterin der SDAJ Gießen diese Sätze ins Mikrofon gerufen hatte, brandete am Dienstagabend lauter Applaus am Kugelbrunnen auf. In ihrem Redebeitrag kritisierte die junge Frau das angekündigte 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr. Für Frieden und Abrüstung zu kämpfen, bedeute auch einen Kampf für Gleichstellung. Denn imperialistische Kriege seien immer auch „ein Krieg gegen die Rechte der Frauen“.