HANAU – GEDENKEN 19.02.2022

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

ich spreche für die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen.

„Du scheiß Japse“, „Geh zurück nach Korea“, „Im dritten Reich wärst du vergast worden“, „Ihr seid schuld an Corona“. Diese und weitere Aussagen wurden mir bereits an den Kopf geworfen. Einmal wurde mir sogar Gewalt angedroht. Tagtäglich sind Menschen mit Migrationshintergrund rassistischen und rechten Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt. Dass aus rassistischer Hetze tödliche Realität wird, ist der traurige Grund, warum wir heute hier sind: wir gedenken den elf Opfern des rechten Anschlags in Hanau und den vielen weiteren Todesopfern von rassistischer und faschistischer Gewalt in Deutschland, die von Behörden und Politik so oft als Einzelfälle abgetan werden.

2 Jahre nach Hanau schulden wir den Opfern mehr als zu erinnern und zu gedenken. Wir schulden ihnen uns aktiv für Veränderungen einzusetzen und zu kämpfen: gegen Rassismus, gegen Frauenhass, gegen Homo- und Transphobie und gegen den spalterischen Klassenkampf von oben.

Bei unserem Kampf dürfen wir die Augen vor strukturellem Rassismus – gerade in staatlichen Behörden – nicht verschließen.

Die faschistische Gefahr ist gerade heute nicht mehr nur abstrakt. In Deutschland ist rechter Terror Alltag geworden und er trifft mittlerweile auch Repräsentanten des bürgerlichen Staates. Teile des Staatsapparats unterstützen faschistische Terrornetzwerke. Die Verstrickung des Inlandsgeheimdiensts mit dem NSU und die anschließende Vertuschung dessen, lässt sich nicht mehr leugnen. Rechte Netzwerke in der Bundeswehr legen Waffendepots und Feindeslisten an, um für den „Tag X“ vorbereitet zu sein. An diesem Tag ist die Ermordung politischer Gegnerinnen und Gegner und all jener Menschen geplant, die aus Rassismus, Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit als Feinde erklärt wurden. Auch Angehörige von Polizei und Geheimdienst gehören zu diesem Netzwerk. Im Kampf gegen Faschismus ist der bürgerliche Staat also kein Partner, sondern Gegner des antifaschistischen Widerstands.

Im Gedenken an die Opfer faschistischer Gewalt kämpfen wir für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Wir rufen zum Widerstand gegen die faschistische Gefahr in diesem Land auf!

Schulter an Schulter gegen Faschismus!