8.März bleibt internationaler Frauenkampftag

Als feministische Kommunist:innen wissen wir, dass das patriarchale kapitalistische System unsere Lebensverhältnisse verantwortet und unsere Sprache prägt. Aus queerfeministischer Perspektive ist es ausschließlich die Sprache, die Lebensrealität und sogar Geschlechter herstellt. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben queerfeministische Aktivist:innen 2021 in vielen Städten die Bezeichnung „feministischer Kampftag“ für den 8.März durchgesetzt. Es ist zudem der Versuch, weitere Identitäten über Frauen hinaus an diesem Tag zu inkludieren.

Der Queerfeminismus ist angetreten, um Geschlechter-Kategorien zu überwinden, schafft gleichzeitig jedoch immer wieder neue Identitäten bzw. in einigen Fällen eher Identitätsbezeichnungen. Dieses Jahr war es die Buchstabenkette FLINTA (Frauen, Lesben, Nicht-Binär, Trans, A-Gender). „FLINTAS die kämpfen sind FLINTAS die leben“ schreiben die Genoss:innen der „proletarischen Jugend Hamburg“, deren Wortschatz in diesem Fall eher an Akademiner:innen als an Proletarier:innen erinnert. In anderen Zusammenhängen steht das „F“ längst nicht mehr für Frauen, sondern für „feminists“. Zuletzt bleibt im queeren Sprachgebrauch noch der „Kampfbegriff“ Mensch als inklusivste und gleichzeitig inhaltsleerste Personenbezeichnung überhaupt. Mit der Umbenennung des „internationalen Frauenkampftags“ in „feministischen Kampftag“, versucht die queerfeministisch dominierte Szene wohl doch eine Geschlechterkategorie abzuschaffen – die Frauen.

Warum wir als marxistische Feminist:innen am 8.März dennoch den „internationalen Frauenkampftag“ begehen und am politischen Kampfbegriff „Frau“ festhalten, lässt sich mit der Lebensrealität der Hälfte der Menschheit erklären. Sie werden als Frauen sozialisiert, wachsen als Frauen auf, werden als Frauen erzogen und wie Frauen behandelt. Frauen erfahren in unserem patriarchalen und kapitalistischen System eine doppelte Ausbeutung durch Reproduktionsarbeit (Haus- und Sorgearbeit) und Lohnarbeit. Frauen sind tagtäglich mit sexistischen Denkmustern konfrontiert, übernehmen nach wie vor den Großteil der Reproduktionsarbeit und werden für ihre Lohnarbeit schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Es sind Frauen, die massiv von (sexualisierter) Gewalt betroffen sind. Mehr als jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet.

Den 8.März als „feministischen Kampftag“ statt als „internationalen Frauenkampftag“ zu bezeichnen, ändert nichts an den Lebensrealitäten der Hälfte der Menschheit. Es macht Frauen aber (auch) an dem Tag unsichtbar, den die Genossin Clara Zetkin vor über 110 Jahren als „internationalen Frauentag“ ausgerufen hat. Ein weltweiter Kampftag der Frauen, an dem sie ihre Wut über patriarchale und kapitalistische Ausbeutung auf die Straße tragen.

Solange die Hälfte der Menschheit wie Frauen behandelt, unterdrückt und ausgebeutet wird – so lange werden wir am politischen Kampfbegriff der Frau festhalten. Solange wird der 8.März der „internationale Frauenkampftag“ sein. Gleichzeitig kämpfen wir für die Gleichstellung aller Geschlechtsidentitäten. Gerne auch an einem „feministischen Kampftag“. Denn wir Kommunist:innen haben uns nichts geringeres vorgenommen, als die Befreiung der gesamten Menschheit.