Redebeitrag, Frauenkampftag 08.03.2021

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,

Ich spreche für die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen.

Das erste Jahr der Corona-Pandemie hat die Unfähigkeit des patriarchalen und kapitalistischen Systems einmal mehr schonungslos offengelegt. Die Herrschenden wollen die Wirtschaftskrise, die durch die Pandemie enorm an Fahrt aufgenommen hat, auf dem Rücken der arbeitenden Klasse abwälzen. Damit treffen sie vor allem Frauen! Denn es sind überwiegend Frauen, die den Laden in der Krise am Laufen halten. 75% der sogenannten systemrelevanten Berufe werden von Frauen ausgeübt. 75 %!

Wir alle sind heute Teil des weltweiten Protests am internationalen Frauenkampftag! Wir gehen hier und heute auf die Straße, um gegen die Ausbeutung von Frauen durch Patriarchat und Kapitalismus zu protestieren.

Frauen halten beispielsweise in der Pflege, dem Lebensmittelhandel oder in der Reinigungsbranche die Grundversorgung der Gesellschaft aufrecht. Das waren schon vor Corona prekäre und schlecht bezahlte Berufe und auch das hat sich durch die Krise noch verschlimmert.

Und zu Hause sieht es nicht anders aus! Die Haus- und Sorgearbeit wird nach wie vor zu 80% von Frauen geschultert. Vor allem in der Krise erfahren klassische Geschlechterrollen wieder an Aufwind. Es sind überwiegend Frauen, die ihre Lohnarbeit im Zuge des Lockdowns reduzieren oder ganz zu Hause bleiben. Neben Home-Office versorgen sie die Kinder und schmeißen den Haushalt. Einleitung für nächsten Absatz?

Knapp die Hälfte aller Frauen in Deutschland hat bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erfahren. 2019 versuchte jeden Tag ein Mann seine aktuelle oder ehemalige Partnerin zu töten und jeden dritten Tag gelang es einem. In Zeiten der kapitalistischen und pandemischen Krise nimmt auch die Gewalt gegen Frauen zu! 2020 steigerte sich die Anzahl auf einen Femizid an jedem zweiten Tag! Gewalt gegen Frauen macht den Zusammenhang patriarchaler und kapitalistischer Gewalt deutlich. Sie ist zum einen ein systematisches Mittel, um männliche Dominanz und das Patriarchat aufrecht zu erhalten und sie ist zum anderen Ausdruck ökonomischen Zwangs – weil viele Frauen finanziell auf ihre gewalttätigen Männer angewiesen sind und sie auch deshalb nicht verlassen.

Gegen die patriarchalen und kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse kämpfen Millionen von Frauen auf der ganzen Welt. An diesem besonderen Tag, dem internationalen Frauenkampftag gilt vor allem ihnen unsere Verbundenheit und unsere Solidarität. Ein Blick zu unseren Nachbarinnen nach Polen zeigt uns, wie auch unter Pandemie-Bedingungen Proteste gegen das Abtreibungsgesetz in Anti-Regierung-Proteste umschlagen können. Zum Jahreswechsel erreichte uns die Nachricht, dass der argentinische Staat, dem Druck hunderttausender Frauen auf der Straße nicht mehr standhalten konnte und das Abtreibungsgesetz lockerte. All diese Kämpfe sind möglich durch einen aktiven und kollektiven Frauenkampf.

Wir nehmen uns heute die Straße und sagen: Basta Befreiung erkämpfen! Im Kampf um diese Freiheit wird uns ein klassenkämpferischer Feminismus den Weg weisen. Denn nur die Abschaffung jeglicher Klassengesellschaft entzieht dem Patriarchat die ökonomische Basis. Wir kämpfen mit vollster Entschiedenheit und Leidenschaft für eine klassenlose Gesellschaft, in der wir das Patriarchat endgültig begraben und alle Menschen ein freies und respektvolles Leben führen. Worauf also warten? Organisieren wir uns jetzt – gegen Patriarchat und Kapital!