Kämpferische Demo zum 8. März

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Am 8. März sind wir mit ca 450 TeilnehmerInnen und einem großen Frauenblock, der die Demo anführte, lautstark und kämpferisch durch die Gießener Innenstadt gezogen.
Ein fettes Dankeschön geht an alle TeilnehmerInnen & MitveranstalterInnen raus, und alle, die den kreativen Ausdruck der Demo mitgestaltet haben: wir haben gezeigt, dass der 8. März ein Frauenkampftag ist und bleibt!

Neben Reden gab es zwei Aktionen. Mit einer Schirmperformance wurde Stellung gegen §218 und 219 bezogen. In der Fußgängerzone wurde eine Straße in „Ivana Hoffmann Straße“ umbenannt. Die Kommunistin fiehl am 7.März 2015 im Kampf gegen den sogenannten IS – für eine befreite Gesellschaft.

UNSER REDEBEITRAG AM FRAUENKAMPFTAG

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen

Heute ist der 8. März. Das ist seit über 100 Jahren der Kampftag der Frauen.
Heute gehen weltweit Frauen auf die Straße. Sie demonstrieren und sie streiken – und Gründe dafür, gibt es nach wie vor genug:
Frauen sind überproportional häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt. Sie verdienen hierzulande durchschnittlich 21% weniger als Männer und erhalten 40% weniger Rente. Selbst für die gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen bekommen sie 16% weniger Lohn.
Zusätzlich zur Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt sind es auch in Deutschland nach wie vor überwiegend Frauen, die den Haushalt schmeißen, sich primär um Kinder kümmern und kranke und/oder alte Angehörige pflegen. Auf diese kostenlose Haus- und Sorgearbeit ist der Kapitalismus angewiesen, um eine Gesellschaft aufrecht zu erhalten, die sich der Profitlogik verschrieben hat. Denn ohne saubere Kleidung und satte Bäuche können die Arbeitenden ihre Lohnarbeit nicht antreten.
Dabei ist Sexismus ein alltäglicher Begleiter von Frauen. Sie sind mit abwertenden Sprüchen auf der Straße, Benachteiligung im Job und sexistischer Werbung konfrontiert. Knapp die Hälfte aller Frauen in Deutschland hat bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erfahren. Jeden dritten Tag wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Expartner ermordet. Gewalt gegen Frauen macht den Zusammenhang patriarchaler und kapitalistischer Gewalt deutlich. Sie ist zum einen ein systematisches Mittel, um männliche Dominanz und das Patriarchat aufrecht zu erhalten und sie ist zum anderen Ausdruck ökonomischen Zwangs – weil viele Frauen finanziell auf ihre gewalttätigen Männer angewiesen sind und sie auch deshalb nicht verlassen.
Im Zuge des Rechtsrucks der vergangenen Jahre wurde auch immer wieder der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in Frage gestellt. Rechte und extrem Rechte versuchen bereits erkämpfte Errungenschaften der Frauenbewegung zurückzudrängen. Dabei ist das Gesetz schon ohne AfD und Co. repressiv genug.

Der alte Klassenparagraf 218, der über die Körper von Frauen entscheidet und Schwangerschaftsabbrüche nur unter gewissen Voraussetzungen erlaubt, ist immer noch nicht abgeschafft. Ja, Klassenparagraph! Denn nicht nur, dass betroffenen Frauen in dieser prekären Lebenslage genug entgegenschlägt. Nein, dazu kommt, dass Frauen die nicht in einer privilegierten Klasse unterwegs sind, zusätzliche Hürden nehmen müssen. Denn ohne medizinische oder kriminologische Indikation müssen die Betroffenen die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch selbst tragen und ebenfalls die Kosten im Falle eines Strafverfahrens. Frauen gehört das Recht auf einen kostenfreien Schwangerschaftsabbruch! Unabhängig von ihrer Herkunft, unabhängig von ihrer sozialen und ökonomischen Situation!
Genauso abgeschafft wie der Paragraph 218 gehört sein hässlicher kleiner Bruder, der Paragraph 219a, der Frauen das Recht verwehrt sich bei professionellen Quellen über einen Schwangerschaftsabbruch informieren zu können. Übrigens ein Paragraph, der im deutschen Faschismus eingeführt wurde. In einer Zeit, in der es um die Selektion des Nachwuchses ging. „Die gesetzliche Pflicht zum Austragen des Kindes“ – Das kann doch nicht deren Ernst sein!!! Das sind die Fakten! Das ist doch der völlige Irrsinn! Das sind genug Gründe, um weltweit zu demonstrieren und zu streiken!
Vor allem der feministische Frauenstreik hat sich in den letzten Jahren international als effektives Kampfmittel der Frauenbewegung bewiesen. 2018 streikten Frauen und Unterstützer in über 100 Ländern. In Argentinien, Polen, den USA, Italien und dem spanischen Staat hat sich in den letzten Jahren eine neue Generation zu politischen Streiks gegen patriarchale kapitalistische Gewalt organisiert. In Spanien waren es letztes Jahr 5 Millionen Menschen, die sich dem feministischen Streik angeschlossen haben. 5 Millionen! Das ist Wahnsinn! Das muss unser Ziel sein!
Dieses Jahr wurde auch in Deutschland zu feministischen Streiks aufgerufen. Beim Frauenstreik geht es auch um ein erweitertes Verständnis von Streik und Arbeit. Der Frauenstreik nimmt alle Arbeiten ins Visier. Nicht nur die Lohnarbeit muss als Arbeit wahrgenommen werden. Nein, auch die Haus- und Sorgearbeit ist Arbeit.
Auch zu Hause kann die Arbeit bestreikt werden. Der Frauenstreik ist ein politischer Streik. Doch noch gilt dieser in Deutschland als verboten. Rechtlich ist das allerdings umstritten. Egal ob verboten oder nicht,
lasst uns am Streikrecht rütteln – politische Streiks sollen wie in anderen Ländern Europas auch in Deutschland wieder stattfinden.
Lasst uns damit beginnen die Frauenstreiks für die nächsten Jahre vorzubereiten.
Lasst uns gemeinsam dafür einsetzten, dass Feminismus die soziale Frage stellt.
Für einen klassenkämpferischen Feminismus, der das Netzwerk aus Patriarchat und Kapitalismus als Ursache von Frauenunterdrückung erkennt und bekämpft!

Sexismus, Faschismus und das Kapital

– bekämpfen Frauen international

 

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