>>Schwarze Stunde<< des Journalismus – offener Brief an die Gießener Allgemeine

G20Demo

Unsere Antwort auf folgenden Artikel der Gießener Allgemeine Zeitung: http://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/art71,282234

Begonnen mit einer reiserischen Überschrift, „Blitzaktion des >>Schwarzen Blocks<<“ versucht Burkhard Möller mit seinem Provinzblatt bei der Hetze, die nach den G20 Protesten gegen Linke stattfindet, mitzumischen.

Ausgekramt wurde eine sechs Jahre alte Kamelle: Eine Farbmakierung an der schlagenden und rechtskonservativen Studentenverbindung „Chattia“. Für den Autor war es „der schwarze Block“. Tatsächlich wurde wegen dieser Tat niemand verurteilt. Zudem scheint dem Autor sauer aufzustoßen zu sein, dass die Polizei vom Amtsgericht gerügt wurde, als sie einen angeblichen Verdächtigen zu lange festhielt und ihn damit rechtswirdrig seiner Freiheit beraubte.

Im letzten Absatz gibt es einen Zeitsprung in das Jahr 2015: Es erweckt den Eindruck als vermisse uns der Autor im Verfassungsschutzbericht. Law-and-Order Möller wirft uns beispielsweise vor, gegen den G20 Gipfel zusammen mit anderen antikapitalistischen Gruppen aufgerufen zu haben. Statt unser Engangement zu loben, werden wir dafür von ihm kriminalisiert. Unser Protest ist aber legitim, denn er richtet sich gegen die konkret Hauptverantworlichen für Fluchtursachen, Kriege und Elend. Diese haben die ein Grenzregime errichtet, dass jedes Jahr tausende Menschen in den Tod treibt.

Möller nimmt im Anschluss Bezug auf einen Satz aus unserer Rede bei der Nachttanzdemo.

„[Die G20 Vertreterinnen und Vertreter seien] ein Haufen Scheiße, auf den man gerne mal draufhauen möchte“. Warum sie so bezeichnet wurden, wurde in der Rede erläutert. Das aber ignoriert Möller. Es liest sich viel nunmal populistischer und lässt sich viel besser aufstacheln, wenn ein provokanter Satz aus dem Zusammenhang gerissen wird. Seriöser Journalismus sieht anders aus…

Am Ende spekuliert Möller, ob Gießener Antikapitalistinnen und Antikapitalisten an Straftaten in Hamburg beteiligt waren. Ob aber die Gießener Polizei an Straftaten beteiligt war, interessiert ihn nicht. Anlass dafür gibt es jedoch genug:

Von Beginn an versuchte die Polizei in Hamburg jeglichen Protest im Keim zu ersticken. Die gewaltsame Räumung eines genehmigten Protestcamps oder das Angreifen einer friedlichen Demonstration am Donnerstag sind nur zwei Beispiele. Allein bei letzerem gab es bereits hunderte verletzte Demonstrierende, drei Schwerverletzte und eine Frau befand sich sogar in Lebensgefahr.

Die Polizei gab sich in Hamburg einer hemmungslosen Gewaltorgie hin und nahm dabei Tote billigend in Kauf: Es gab Jagdszenen auf Demonstrierende. Wie wild gewordene Schlägertrupps prügelte die Polizei mit Tonfas auf Köpfe ein. Protestierende wurden von Mauern und Abhägen heruntergestoßen. Es wurden Tränengas sowie der Reiz- und Kampfstoff Pfefferspray eingesetzt. Diese Gewaltorgie machte auch vor Journalistinnen und Journalisten nicht Halt, die von der Polizei bedroht und geschlagen wurden. 32 von diesen wurde die Akkreditierung entzogen, um ihre Berichterstattung zu verhindern.

Es lässt sich festhalten, dass der Bericht in der GA versucht, linke Strukturen in Gießen und insbesondere unsere Gruppe zu kriminalisieren. Allein zu legitimen Protest gegen den 123 Mio. Euro teuren G20 Gipfel aufzurufen, scheint unvertretbar. Dahingegen steht kein kritisches Wort gegen rechte Männerbünde, den G20 Gipfel und den enthemmten Polizeistaat, der sich vergangene Woche in Hamburg gezeigt hat.

Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen (ARAG)

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