Redebeitrag über internationalen Frauenprotest, 8.März Demo 2017

Redebeitrag Frauenkampftag 2017Lesenswertes

Liebe Genosinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,

ich spreche für die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen.

wir demonstrieren heute anlässlich des Frauenkampftags. Seit über 100 Jahren gehen Frauen am 8. März weltweit auf die Straße, um gemeinsam für ihre Rechte zu kämpfen. Das war und ist bitter nötig- den keine unserer Rechte wurde uns geschenkt!

Aktuell wehren sich Frauen überall auf der Welt gegen patriarchale Unterdrückung und kapitalistische sowie feudale Ausbeutungsverhältnisse. Gründe dafür gibt es genug, vor allem in Zeiten, in denen Regierungen einen Rechtsruck vollziehen ist feministischer Protest unverzichtbar!

In Nordamerika fanden pünktlich zur Amtseinführung des sexistischen und rassistischen Milliardärs Trump riesige Proteste in Form des „Woman’s March“ statt. Hier zeigten die Frauen deutlich, dass sie sich von Föhnfrisur Trump nicht so einfach an ihre Pussy grabschen lassen!

Unter dem Motto „A Day Without a Woman“ riefen amerikanische Feministinnen zu einem Generalstreik für den 8. März auf. Auch in zahlreichen weiteren Ländern wie zum Beispiel Polen oder Argentinien, wurde am 8. März gestreikt. Frauen gingen nicht ins Büro oder in die Fabrik – und auch die Hausarbeit liesen sie ruhen. Einkaufszentren und Supermärkte wurden mit einem Konsumentinnen- und Shopperinnen-Boykott belegt.

In der Türkei trauten sich Frauen trotz des faschistoiden AKP-Remies auf die Straße um für ihre Rechte zu kämpfen. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen Gewalt an Frauen. Denn diese stellt für Frauen im alter zwischen 15 und 44 die Haupttodesursache in der Türkei dar. Die Demonstrationen in Ankara und Istanbul wurden von der Polizei mit Gummigeschossen und Tränengas angegriffen.

Am 8. März diesen Jahres gab es in Irland einen landesweiten Frauenstreik für das Recht auf Abtreibung und medizinische Versorgung. Das irische Gesetz stellt sogar Abtreibung im Fall einer Vergewaltigung unter Strafe. Bei der Einnahme der „Pille Danach“ riskiert man eine langjährige Haftstrafe bis zu 14 Jahren.

Auch in Polen demonstrierten Ende letzten Jahres über 100.000 Frauen gegen die Gesetzesverschärfung, die Haftstrafen für Frauen und Ärzte bei Abtreibung vorsieht. Die Demonstrantinnen hatten Erfolg: das Gesetz wurde aufgrund der massiven Proteste nicht vom Parlament verabschiedet.

Viele Menschen glauben, solche feministischen Proteste seien -zumindest in den westlichen Industrienationen nicht mehr nötig- doch sie irren sich!

Auch hier werden Frauen durch Patriarchat und Kapital unterdrückt. Gegen mehr als 100.000 Frauen pro Jahr wird in Deutschland Gewalt ausgeübt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Dunkelziffer viel höher sein dürfte, da die Täter häufig nicht angezeigt werden, auch weil es sich bei ihnen meist um den eigenen Partner handelt.

Für die gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen verdienen Frauen circa 22% weniger. Zu der Lohnarbeit sind es nach wie vor überwiegend Frauen, die die Arbeit der Reproduktion, dass heißt die Erziehungs-, Haus-, Pflege- und Betreuungsarbeit zusätzlich und unbezahlt leisten! Die Kapitalistinnen und Kapitalisten zahlen keinen Cent dafür, dass ihre Angestellten zu Hause fit für deren Profite gehalten werden!

Für diese frauenfeindliche und ausbeuterische Politik des Kapitalismus steht der G-20 Gipfel kommenden Juli. Die Regierungschefs und Chefinnen der 20 einflussreichsten Industrienationen, die Finanzminister und Ministerinnen der G8, sowie die Präsidenten und Präsidentinnen der EZB, IWF, WTO und der Weltbank versuchen mal wieder die Welt unter sich aufzuteilen. Angeblich geht es auch um die die Förderung von Frauen. Tatsächlich werden auf dem Gipfel jedoch die Durchsetzung von Machtinteressen und Herrschaft Thema sein. Frauenbefreiung hat dort noch nie eine Rolle gespielt. Im Gegenteil: es geht auch darum die ökonomische Ausbeutung von Frauen weiter voranzutreiben.

Wir werden daher nicht nur heute anlässlich des Frauenkampftags demonstrieren, streiken und kämpfen.

Solange die Reproduktionsarbeit private und nicht gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, bleibt die Unterdrückung der Frau bestehen. Eine Angleichung von Frauenrechte an Männerrechte bietet in diesem System keine Gleichberechtigung. Erst durch die Überwindung des Kapitalismus kann die Befreiung der Frau verwirklicht werden. Bis dahin werden wir jedoch bereits im Hier und Jetzt für diese Befreiung kämpfen. Dafür brauchen wir einen Feminismus, der sich nicht scheut die soziale Frage zu stellen.

Wir wollen einen Beitrag zu einer klassenkämpferischen Frauenbewegung leisten, die das Netzwerk aus Patriarchat und Kapitalismus als Ursache von Frauenunterdrückung erkennt und bekämpft.

8. März heißt Widerstand Frauen kämpfen Hand in Hand!