Pressemitteilung Frauenkampftagsdemo 2017

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Am Samstag versammelten sich ca. 250 Menschen aller Altersklassen, um gemeinsam unter dem Motto „Frauenbefreiung ist international“ zu demonstrieren. Zur Demonstration rief ein breites Bündnis aus verschiedenen linken Gruppen auf. Das autonome Frauenhaus, die kurdischen Frauen „Bercem Kadin Meclisi“, die ARAG, das Internationalistische Bündnis und die SDAJ. Unterstützt durch die Jugend Gießen/Wetzlar.

Bei der Auftaktkundgebung am Berliner Platz sprach sich eine Rednerin für einen antirassistischen Feminismus aus. Sie betonte, dass die Kölner Silvesternacht, bei der Frauen organisiert angegriffen wurden, instrumentalisiert wurde. „Betroffene Frauen vom 31.12.15 werden für eine rassistische Kampagne benutzt: nicht der Sexismus sei das Problem, sondern die zu uns Geflüchteten, die Eingewanderten. Wir als Frauen werden mit unserer Gewalterfahrung benutzt, um Rassismus, zu stärken“.

Mit bunt bemalten Schildern,Schirmen und Musik machten sich die DemonstrantInnen auf den Weg durch die Fußgängerzone. Sie riefen laute Parolen wie „Frauen kämpfen international – gegen Faschismus, Krieg und Kapital“ und die kurdische Parole „Jin Jiyan Azadi“ (Frauen Leben Freiheit).

Bei der Demonstration wurde auf zahlreiche Missstände aufmerksam gemacht. Es wurde thematisiert, dass Frauen massiv von Gewalt betroffen sind. Beispielsweise stellt Gewalt für Frauen zwischen 15 und 44 Jahren die Haupttodesursache in der Türkei dar. Auch in der BRD wird gegen 100 000 Frauen pro Jahr Gewalt ausgeübt, meist vom eigenen Partner.

Zudem wurde darauf verwiesen, dass Frauen im Schnitt 22% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen und zur Erwerbsarbeit die Reproduktionsarbeit (Erziehungs-, Haus-, Pflege- und Betreuungsarbeit) unbezahlt erledigen.

Berufe in denen Frauen stark vertreten sind, sind häufig im sozialen und pflegerischen Bereich. „Diese zeichnen sich durch schlechte Aufstiegschancen und prekäre Arbeitsbedingungen aus. Trotz Streik von Tausenden Erzieherinnen hat sich nichts verändert“, bemängelte eine Rednerin der SDAJ.

Ein weiteres Thema waren imperialistische Kriege, unter denen Frauen im Besonderen Maße leiden. „Kriege bedeuten für Frauen immer massive Gewalt. Mord, (Massen-)Vergewaltigung als Kriegsinstrument, Vertreibung, Armut, Hunger, sowie Mädchen-/Frauenhandel und Zwangsprostitution! Das sind Folgen kapitalistischer Profitgier“ betonte eine Rednerin der ARAG. Sie kritisierte das G20 Treffen im kommenden Juli: „Angeblich geht es dort auch um die Förderung von Frauen. Tatsächlich werden auf dem Gipfel jedoch die Durchsetzung von Machtinteressen und Herrschaft Thema sein. Frauenbefreiung hat dort noch nie eine Rolle gespielt“.

Die kurdische Frauenorganisation „Bercem Kadin Meclisi“ würdigte den Kampf der kurdischen Fraueneinheiten YPJ gegen den sogenannten IS an Orten wie Kobane und Shingal. Des Weiteren erwähnte die Rednerin die „Jineologie“, eine frauenorientierte Wissenschaft der kurdischen Befreiungsbewegung. Die Demonstration sendete ein deutliches Signal. Eine Angleichung von Frauenrechte an Männerrechte wird die Frau in dieser Gesellschaft nicht zur Gleichberechtigung führen. Erst durch die Überwindung des Kapitalismus kann die Befreiung der Frau verwirklicht werden. Bis dahin ist es wichtig einen antirassistischen, internationalistischen und antiimperialistischen Feminismus in die Gesellschaft zu tragen.